Ricarda Essrich

Von Wichteln, Julklapp und Gedichten

Gastbeitrag von Heike Jurzik zur TT-Blogwichtelaktion

17. Dezember 2012 | (3) Kommentare

Im Texttreff wird in diesem Jahr zum zweiten Mal die schöne Blogwichtelaktion verantstaltet. Wir Bloggerinnen schreiben dabei für einen uns zugelosten Blog. Mein Blog wurde der lieben Heike Jurzik (Linux-Journalist) zugelost, und hier kommt ihr Beitrag:
 

 

Von Wichteln, Julklapp und Gedichten

Im Büro passiert es, im Freundeskreis, in der Familie und auch im Netzwerk Texttreff: Es wichtelt! Der Zufall oder das Los bestimmen, wer wen beschenken darf. Das können kleine Präsente sein, gute Taten oder -- wie in unserem Fall – ein Blogbeitrag. Vom Schrottwichteln oder Ramschwichteln einmal abgesehen finde ich das eine wirklich tolle Tradition und freue mich jedes Jahr auf die Vorweihnachtszeit und darauf, andere zu bewichteln.

Auf Wikipedia ist nachzulesen, dass der Brauch ursprünglich vorsah, die Geschenke einander heimlich zuzustecken -- etwas, das sonst eben nur Wichtel machen. Wie die Heinzelmännchen legen diese kleinen Burschen nämlich Wert auf Diskretion und tun Gutes nur im Verborgenen. Ich zumindest habe noch keinen gesehen, und so neugierig, dass ich Erbsen auf meine Treppe vor dem Haus streuen würde, bin ich dann doch nicht. wink In Skandinavien nennen die Menschen das Ganze Julklapp ("Weihnachtsgeschenk"). "Jul" heißt "Weihnachten" und "klapp" kommt von "klopfen", wie es dieser Blogartikel hübsch erklärt. Teil der Tradition ist, kleine Gedichte an den Geschenken anzubringen, so dass der Bewichtelte erraten muss, was drinsteckt.

Während die meisten Leute sicherlich nicht länger heimlich Geschenke vor die Türen ihrer Freunde und Nachbarn legen, anklopfen und weglaufen, ist es bei einigen Leuten nach wie vor angesagt, (sich) einen Reim auf die Weihnachtsgeschenke zu machen. Eine befreundete Familie mit Wurzeln in Schweden pflegt schon immer den Brauch, die Präsente nicht nur liebevoll einzuwickeln, sondern auch kleine selbstgeschriebene Gedichte dort anzubringen. Unter dem Baum fischt sich dann jeder ein Päckchen heraus, trägt die mehr oder weniger gut gelungene Dichtkunst vor und errät den Inhalt – langweilige Bescherungen garantiert ausgeschlossen.

Irgendwann übernahmen die Freunde und Freundinnen der Kinder den Brauch und fingen an, auch in ihren eigenen Familien Verse an die Gaben zu heften. Ich selbst versuche mich seit etlichen Jahren als Poetin, mit mehr oder weniger großem Erfolg. Hilfreich zur Seite stehen mir Webseiten wie Was-reimt-sich-auf oder die Reimemaschine. Schon beim Texten habe ich jede Menge Spaß, denn nicht jedem Geschenk dichtet man so etwas Passendes und vielleicht noch Festliches an. Relativ gut läuft es mit den zeitlosen Klassikern:

"Kravatte": "Gatte", "Fregatte", "Fußmatte", "Kanalratte" ...
"Socken": "bocken", "schocken", "trocken", "rocken", "Pocken" ...
"Buch": "Fluch", "Gesuch", "Eunuch", "Versuch" ...

Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke sind heutzutage allerdings Handys, Tablets, Parfum und Games für Spielekonsolen. Uff. Wohl dem, der sprachlich so begabt ist wie ein englischer Freund von mir. Als ich ihm von der Gedichte-Tradition erzählte, schüttelte er spontan einen Limerick aus dem Ärmel:

Every year in December in Sweden
There are people whose foreheads are bleeding
'Cause they're trying to create
Poetry that's great
With a nice little Christmassy meaning.

In dem Sinne: Frohe Weihnachten -- God Jul!

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Kommentare

Oh, das ist ja eine super nette Geschichte! Ob mir zu meinen Geschenken auch Gedichte einfallen? *grübel*

Daniela am Montag, 17. Dezember 2012 um 09:19 AM

Mutig gedichtet :-)) Und sehr interessant, das alles! Das mit dem Limerick muss ich unbedingt aufgreifen, Danke für die Anregung, Heike!

Jutta am Montag, 17. Dezember 2012 um 11:32 AM

Was für eine geniale Idee! Ich fürchte nur, meine Verwandtschaft wäre damit dezent überfordert ... ;-)

Heide Liebmann am Montag, 17. Dezember 2012 um 07:32 PM

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