Ricarda Essrich

Erfahrungsbericht: Wie andere Schwedisch lernen

7. Mai 2013 | (0) Kommentare

Auch wenn es nicht konkret um ein Lehrbuch oder ein Programm geht, sind sicher viele daran interessiert, wie andere Schwedisch lernen bzw. gelernt haben. Und gerade diesen Bericht hier finde ich sehr spannend, darum will ich ihn Euch nicht vorenthalten.

Amy schreibt:

„Ich bin norwegischer und deutscher Abstammung, jedoch können meine Eltern nur Englisch. Zu Hause haben ihre Eltern jeweils die Fremdsprache gesprochen, nur mit den Kindern nicht. Dies fand ich schade. Da ich als Kind hin und wieder diese Sprachen bei meinen Großeltern gehört habe, hat das mein Interesse geweckt, sie später selbst zu lernen.

Mit 13 habe ich mir mit mein Taschengeld irgendwelche Bücher zum Deutschlernen gekauft und ab 14 habe ich Deutsch in der Schule gehabt. Nebenbei habe ich weiterhin selbst gelernt, weil es mir in der Schule viel zu langsam voranging. Mit 16 durfte ich dann ein Jahr Deutsch in der Schule überspringen und mit 17 ein Jahr Selbststudium mit der Unterstützung vom Lehrer. So kam ich auf den Geschmack, mir selbst eine Sprache beizubringen.

Durch ein Advanced Placement Examen in Deutsch durfte ich dann an der Uni die ersten zwei Jahren Deutschkurse überspringen und fing gleich mit den Kursen für Studenten im dritten Jahr an, die natürlich viel spannender waren :-). Im Rahmen des Studium „Germanic Languages and Literatures“ habe ich auch ein solides Grundwissen der germanischen Sprachen und ihrer linguistischen Geschichten angesammelt, obwohl ich Deutsch als Lernsprache gewählt habe.

Nach dem Studium habe ich bei Lufthansa im Call Center angefangen und konnte so meine sprachliche Fahigkeiten verbessern. Parallel dazu habe ich angefangen, Romane auf Deutsch zu lesen. Anfangs war es sehr sehr schwierig, aber irgendwann mal habe ich festgestellt, wenn ich nicht alles nachschaue, sondern immer einfach weiterlese, dann klappt es besser und schneller ... Und plötzlich kannte immer mehr Wörter, ohne dass ich sie nachgeschaut hatte. Durch Bücherlesen habe ich meine Sprachkenntnisse rapide verbessert.

Als ich einige Jahre später in ein deutschsprachiges internationales Managentrainingprogramm reinkam, war ein Schwede dabei. Nur aus Spass habe ich dann angefangen Norwegisch zu lernen und mit ihm durch Emailschreiben zu üben. Ich habe auf Norwegisch geschrieben und er hat auf Schwedisch geantwortet. Ich fand das total spannend, wie Rätsellösen, da Schwedisch und Norwegisch so ähnlich waren.

Wie früher bei Deutsch kam ich recht schnell und mit relativer Leichtigkeit voran. Ich fand die skandinavischen Sprachen so ähnlich zu Deutsch und Englisch, dass ich mir sehr leicht getan habe, mir neue Sachen zu merken. Ich fing ziemlich schnell an, Romane auf Norwegisch zu lesen, und war überrascht wie gut es ging.

In meinem Job ein paar Jahre später hatte ich öfter Kontakt zu SAS, und ich habe mir immer die verschiedenen skandinavischen Zeitungen geholt, dann auch Dänisch. Als ich entdeckte, wie gut ich Dänisch auf Anhieb lesen konnte, habe ich mir ich einen Roman auf Dänisch gekauft und problemlos gelsen.

Über die Jahre im Job habe ich immer wieder die Gelegenheit gehabt, mit SAS zu arbeiten oder auch mit unseren Zweigen oben in Skandinavien. Fachfremden gingen sogar richtig in Detail, z.B. neue EU Regelungen über Flughafensivherheit, inkl. Gesetztexte, und sämtliche schriftliche Kommunikation in der jeweiligen Sprache lief einwandfrei. Entsprechende Landestexte sowie skandinavische Kommunikation musste ich dann für meine deutschen und internationalen Kollegen auf Deutsch und Englisch übersetzen.

So kam ich auf die Idee, neben Deutsch-Englisch auch aus den skandinavischen Sprachen zu übersetzen. Zudem habe ich jetzt seit fast 10 Jahren eine schwedische Nachbarin, die mir immer alle ihre Bücher leiht, so dass ich sehr viel auf Schwedisch lese.

Letztes Jahr habe ich es mit einem VHS Kurs probiert, angeblich für Fortgeschrittene, um das Reden zu üben, aber es war total langweilig ... Also nachdem ich meinen Akzent ein paar monatelang trainiert habe, habe ich wieder damit aufgegeben.

Jetzt lese ich einfach viel, habe ein paar skandinavische FB Freunde, mit den ich schreibe, etc., um fit zu bleiben. leider sind meine mündlichen Fähigkeiten nicht so gut, nur habe ich da nicht so die Gelegenheit zu üben. Zumindest hilft das Lesen von Sprachdialogen in Bücher sehr, zumindest was Ausdrücke betrifft!

Das Internet hilft auch enorm, da man mit verschiednen Tools seine Grammatik ganz nebenbei verbessern und Wortschatz expandieren kann. Auch einfach i,mer wieder mit einem schwedischen Rechtschreibprogramm immer wieder schreiben ist eine super Sache, da man sich die Korrekturen für das nächste Mal einfach merken kann!“

 

Amys Weg zu den Sprachen war wohl sehr ungewöhnlich, aber ich find's spannend! Und das hier möchte ich ganz besonders hervorheben: „Durch Bücherlesen“ habe ich meine Kenntnisse rapide verbessert.“ Das kann ich Schwedischlernenden nur wärmstens ans Herz legen. Haltet Euch nicht mit Vokabelnachschlagen auf, versucht, den Gesamtzusammenhang zu verstehen. Nach einer Weile werden sich Euch viele Wörter von alleine erschließen.

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