Ricarda Essrich

Blogparade zum Thema Fremdsprachenlernen

Vom Vokabelnpauken und Grammatiktests

7. Mai 2013 | (14) Kommentare

Gestern habe ich hier den Erfahrungsbericht einer Schwedischlernerin gepostet, die auf eher unkonventionelle Weise Schwedisch gelernt hat. Ich fand es ungemein spannend, dass Sprachenlernen auch fern von Volkshochschulkursen und Onlineprogrammen funktionieren kann.

Das hat mich neugierig gemacht, ich habe auch viel an meine Fremdsprachenerfahrungen denken müssen, und daher interessiert mich sehr:

Vom Vokabelnpauken und Grammatiktests: Wie habt Ihr Fremdsprachen gelernt?

 

Dabei geht es mir gar nicht speziell um die skandinavischen Sprachen. Im Gegenteil, mich interessiert:

  • Welche Sprachen habt Ihr gelernt?
  • Warum?
  • Uund vor allem: wie?
  • Klassisch in einem Kurs an der VHS? Oder mit teuren Hilfsmitteln?
  • Wo sind Eure (fremdsprachliche) Schwächen?
  • Und ist Euer Fremdsprachenstudium abgeschlossen oder wollt Ihr noch weitere Sprachen lernen?

 

Die Blogparade

Schreibt einen Beitrag dazu und verlinkt diesen Artikel. Ich werde die Ergebnisse dann hier sammeln und Euch verlinken.

Ganz wichtig: Damit ich auch mitkriege, dass Ihr zu dem Thema gebloggt habt, hinterlasst mir doch hier einen Kommentar mit dem Link zu Eurem Beitrag.

Die Blogparade läuft bis zum 15. Juni!

 

 

 

Bild: Gerd Altmann/ erstellt in:wordle.net  / pixelio.de

 

Das Sprachenlernen, so war's bei mir:

Klar, in der Schule ging es bei mir klassisch los: Englisch in der 5. Klasse (auch noch recht mühelos), als zweite Fremdsprache in der 7. dann Latein (reines Pauken, aber ich fand's cool), in der Differenzierung in der 9. dann Französisch (ohje...). Dass ich früh eine Affinität zu Sprachen hatte, steht wohl außer Frage. Wobei Französisch da bei mir gar nicht ins Bild passt. Weder in den 2 Jahren in der Schule noch später bei der Wiederauffrischung an der VHS ist sonderlich viel hängen geblieben. Französisch steht also eher zum Schein im Lebenslauf.

Doch meine Hauptfremdsprache heute ist natürlich Schwedisch. Und damit ging es schon recht früh los. Ich war 8 Jahre alt, als wir zum ersten Mal nach Schweden fuhren. Meine ersten schüchternen Gehversuche mit dieser merkwürdigen Sprache beschränkten sich also auf "Varsågod, tre liter mjölk" (Was so viel heißen sollte wie „Bitte 3 Liter Milch“; erst spät kam ich dahinter, dass das total falsch war, aber so hatte man es uns eingetrichtert.) Diesen Satz richtete ich an den Bauern an der Ecke, bei dem wir frische Milch kauften. Was Verzweiflung nach sich zog, weil der Bauer natürlich auf Schwedisch antwortete und Geschichten erzählte. Mein Cousin und ich verstanden kein Wort, nickten aber artig und warteten ungeduldig, bis wir endlich die Milch bekamen.

Ein paar Jahre später bauten meine Eltern dort ein kleines Ferienhaus; meine Mutter sah sich gezwungen, Schwedisch intensiv zu lernen, mein Vater begnügte sich mit 151 Wörtern Baustellen-Wortschatz. Wir Kinder lernten die Sprache passiv, über Beschriftungen von Lebensmitteln, über Speisekarten, über das Radio. Nach ein paar Jahren übernahm meine Mutter die Kurse an der VHS als Dozentin, mein Bruder und ich waren querulante Teilnehmer in ihrem ersten Anfängerkurs. Das Lernen ging uns leicht von der Hand, klar, wir waren noch jung, da flog uns das alles praktisch noch zu, während die älteren Kursteilnehmer deutlich schwerer zu kämpfen hatten. Grammatik lernte ich sozusagen im Schlaf, die Aussprache übten wir vor Ort.

Nach dem Abitur war klar, dass ich Skandinavistik studieren würde. Zwar lag der Schwerpunkt hier auf anderen Dingen wie Geschichte, Kultur, Literatur oder Linguistik, doch ich besuchte auch Sprachkurse und verfeinerte meine Kenntnisse. Irgendwann bekam ich über das schwarze Brett meinen ersten Übersetzungsauftrag, da wurde also der Grundstein für meine heutige Arbeit gelegt. Als meine Mutter nach über 20 Jahren ihre Kurse an der VHS aufgab, übernahm ich sie als Dozentin. Der Übergang vom Lernen zum Übersetzen und zum Unterrichten geschah also fließend, und so kann ich gar nicht richtig sagen, wie lange ich Schwedisch gelernt habe. Das ließ sich auch nicht richtig trennen, denn insbesondere in den VHS-Kursen habe ich nochmal sehr, sehr viel über die schwedische Grammatik gelernt, als ich versuchte, sie anderen zu erklären.

Überhaupt finde ich genau das so faszinierend am Fremdsprachenlernen: Eine Sprache ist so vielfältig, dass man im Grunde immer weiter lernen kann. Neue Wörter finden, Redewendungen benutzen, die Aussprache verfeinern ... Wer kann schon behaupten, eine Sprache komplett und vollständig in allen Aspekten zu berherrschen?

Übrigens: Wenn ich alle Sprachen zähle, die ich irgendwie mal berührt habe, könnte ich 9 Stück aufführen! Das ist nicht als Angeberei gemeint, denn wie Ihr sehen könnt, ist in den meisten Fällen nicht viel übrig geblieben davon (was sehr schade ist.).

  • Englisch, klar, in der Schule von der 5. bis zur 13. Klasse, als LK sogar
  • Latein von der 7. bis zur 10. Klasse, mit Latinum abgeschlossen
  • Französisch von der 9. bis zur 11. Klasse, und was davon übrig ist, habe ich ja schon beschrieben
  • Russisch für 2 Wochen im Rahmen einer Projektwoche in der Schule, Rest: null
  • Dänisch an der Uni in Münster, als ich aufgrund einer Fehlinformation davon ausgegangen bin, ich müsste eine neue skandinavische Sprache lernen und könnte keine Schwedischkurse besuchen. Ich erinnere mich nur noch an die Kämpfe mit dem Dozenten, weil er mich zwingen wollte, meine schwedische Aussprache zu vergessen ...
  • Ungarisch an der Uni in Köln, ebenfalls aufgrund der (falschen) Annahme, ich müsste für das Fach Allgemeine Sprachwissenschaft eine nicht indo-germanische Sprache lernen. Rest: Von der Ausprache ist ein wenig hängengeblieben.
  • Isländisch an der Uni in Köln, um die Semesterwochenstunden für Skandinavistik aufzufüllen. Mit unserer Dozentin Àsa ein großer Spaß, und die coolen Weihnachtssongs kann ich noch.
  • Dänisch und Norwegisch sozusagen "on the fly" beim Übersetzen und durch entsprechende Übungen an der Uni.

Wenn ich nur einen Bruchteil davon hätte perfektionieren können ... Aber vielleicht baue ich ja eines Tages wieder etwas davon aus. Obwohl mich ja auch noch Portugiesisch reizen würde ...wink

Nächster Eintrag: So vielfältig die Sprachen, so vielfältig die Lerner

Vorheriger Eintrag: Erfahrungsbericht: Wie andere Schwedisch lernen


Kommentare

Hallo liebe Ricarda,

hier findest du meinen Blogbeitrag zu deiner Blogparade: Fremdsprachen lernen - aus Gründen.

Bin ich etwa die erste Teilnehmerin? Tja, ich musste es mir einfach sofort von der Seele schreiben, damit ich im Kopf wieder frei für meine Aufträge bin.

Viel Spaß und Erfolg mit der Blogparade noch.

LG
Eva

Eva Schumann am Montag, 03. Juni 2013 um 06:18 PM

Ich habe zwar im wesentlichen nur Englisch gelernt, aber ich liebe die Sprache mittlerweile:
http://remline.de/2013/SpracheLernen.html

Andy Drop am Dienstag, 04. Juni 2013 um 12:45 PM

Und hier gibt es meinen Beitrag. Länglich. ;-)


http://mela.de/archives/1376-Blogparade-Wie-habt-ihr-Fremdsprachen-gelernt.html

Mela am Mittwoch, 05. Juni 2013 um 12:48 AM

Hallo Ricarda,

vielen Dank für die tolle Anregung! Mein erster Beitrag für eine (deine) Blogparade ist hier zu finden: http://blog.lektoratinbremen.de/?p=127

Sabine (Sab Wahl) am Mittwoch, 05. Juni 2013 um 12:57 PM

Liebe Ricarda, vielen Dank für die Anregung, den Rückblick auf das eigenen Sprachenlernen aufzuschreiben. Hier ist das Ergebnis: http://birgit-ebbert.blogspot.de/2013/06/blogparade-fremdsprachen-lernen.html
Liebe Grüße Birgit

Birgit Ebbert am Freitag, 07. Juni 2013 um 08:59 AM

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit zum Thema “Fremdsprachen lernen” recherchiert und würde heute das Erlernen einer neuen Sprache als Projekt betrachten. Hier geht’s zum Beitrag, angereichert mit ein paar Tipps und Links, die Sprachschülern (und allen, die es werden wollen) weiterhelfen könnten: http://escribo.ch/2012/eine-fremdsprache-lernt-man-am-besten-als-projekt/

Claudia Fahlbusch am Freitag, 07. Juni 2013 um 10:47 PM

Ich liebe Fremdsprachen - und habe daher auch mal meine Erfahrungen aufgeschrieben. Mangels Blog auf meiner Facebookseite https://www.facebook.com/SabineOlschnerJournalistin.
Danke für die schöne Idee zur Blogparade, Ricarda!

Sabine Olschner am Montag, 10. Juni 2013 um 04:54 PM

Sorry, habe gerade erst erfahren, wie man einen Deeplink auf einer Facebookseite findet. Hier also der direkte Link zum Beitrag: https://www.facebook.com/SabineOlschnerJournalistin/posts/465463856873025

Sabine Olschner am Montag, 10. Juni 2013 um 05:28 PM

Genau das richtige Thema für meine erste Blogparade. Danke, Ricarda!

liebe Grüße vom Rhein
Birte

Birte Mirbach am Dienstag, 11. Juni 2013 um 06:16 PM

...und wenn mir noch jemand verrät, wieso er meinen Link eben nicht mit übernommen hat… also noch einmal:
http://www.birtemirbach.de/2013/06/blogparade-wie-ich-meine-sprachen-gelernt-habe/

Birte Mirbach am Dienstag, 11. Juni 2013 um 06:20 PM

Ja, das Thema hat mich länger beschäftigt. Jetzt habe ich einen persönlichen Blick darauf geworfen. Hier ist mein Blogparadenbeitrag http://ebensolch.at/sistlau/blog/archives/788

Sistlau am Dienstag, 11. Juni 2013 um 10:44 PM

Hier ist mein Beitrag nochmal :-).
http://www.worthauerei.de/blog/index.php/konzept/blogging/die-sache-mit-den-sprachen/

Annette Lindstädt am Sonntag, 30. Juni 2013 um 12:49 AM

Vielen Dank für den super Artikel!

Mir haben die Online Software Babbel und der Einzelunterricht via Skype über italki sehr geholfen, um innerhalb von 5 Monaten fliessend Spanisch zu lernen.

Meiner Meinung nach ist es außerdem super wichtig, sich ein genaues Ziel ( “Ich spreche am 1.1.2017 fliessend Englisch”) zu setzen und sich dann für jede Woche Meilensteine festzulegen und diese genau zu kontrollieren oder noch besser: vom Partner oder Kumpel kontrollieren lassen! ;-)

Beste Grüße

Jan

Jan am Montag, 23. März 2015 um 11:22 AM

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